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Helfen Multivitaminpräparate gegen Corona (Covid-19)?

Nahrungsergänzungsmittel und das Coronavirus

Wegen des Coronavirus kam in letzter Zeit vermehrt jene Frage auf, wie das Immunsystem gut gestärkt werden kann. Ob nun Vitamin C, Produkte für die Darmflora oder andere Naturheilmittel wie Echinacea – viele Menschen in Deutschland oder Österreich versuchen aktuell, das Immunsystem mit verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln zu rüsten. Reformhäuser und Apotheken verzeichnen eine sehr hohe Nachfrage. Viele Präparate, welche das Immunsystem festigen sollen, sind schon ausverkauft. Doch was bringt dies alles? Ist ein Corona vorbeugen damit möglich?

Nahrungsergänzungsmittel können das Immunsystem untersützen

Generell ist in dieser Ausnahmesituation wie die Coronakrise alles nützlich, was das Immunsystem unterstützen kann. Dies bestätigen auch Allgemeinmediziner. Vitamin C und auch Zink sind die bekannten Helfer für die Abwehr des Körpers von Krankheitserregern. Insbesondere jetzt, in der kalten und dunklen Jahreszeit herrscht auch zumeist ein Vitamin D-Mangel. Anstatt jedoch leichtfertig Präparate in Apotheken oder Reformhäusern zu kaufen, raten Experten generell dazu, den eigenen Bedarf zu steuern.

Es sollte immer bedacht werden, dass kein Multivitamin das Coronavirus abwehren oder bekämpfen kann. Ist aber erst jemand infiziert, kann je nach persönlichem Gesundheitszustand ein gut funktionierendes und stabiles Immunsystem beitragen, dass die Erkrankung milder oder auch ohne Symptome verläuft. Dies bestätigt auch die Ärztekammer.
Diese Mikronährstoffe wie Vitamine oder Mineralien treten im Körper wie eine Art Orchester auf, in welchem alle Instrumente eine wichtige und definierte Rolle spielen. Nähert sich nun der Virus, wird das Orchester aber zu einem Soldatenheer, welches den schädlichen Fremdling im Körper bekämpfen kann.

Es gibt daher keine offiziell bestätigten Nahrungsergänzungsmittel, welche eine Erkrankung mit Corona inhibieren können. Diese Nahrungsergänzungsmittel dienen generell zudem nicht der Behandlung von Krankheiten. Da aber dieser Virus erst seit einiger Zeit bekannt ist, gibt es hierzu auch keine Interventionsstudien an Lebewesen, welche eine Wirksamkeit von bestimmten Vitaminen, Pflanzen oder Mineralstoffen gegen diesen darlegen. Bestimmte Studien beziehen sich hierbei auf andere Viren oder es handelt sich auch um theoretische Untersuchungen denkbarer Wirkmechanismen. Das Bundesernährungsministerium bestätigt jedoch, dass die Internet-Marktplätze und Verkaufsplattformen aufgefordert wurden, verstärkt auf unzulässig angebotene Mittel als Nahrungsergänzungsmittel gegen Corona zu kontrollieren.

Nahrungsergänzungsmittel werden zum Schutz vor Corona bzw. Covid-19 im Handel angeboten

Von Vitamin A bis hin zu Zink ist bei den Präparaten alles zu bekommen. Wegen des Coronavirus erleben diese Mittel im Moment eine wahre Hochkonjunktur, da es ansonsten noch keine Medikamente gegen Corona gibt. Viele Menschen haben hierbei den Bedarf, abgesehen von den Maßnahmen zur Hygiene, selbst aktiv sein zu wollen. Diese möchten das Immunsystem wieder auf Vordermann zu bringen, dass ihnen Corona nichts anhaben kann. Die Hersteller und Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln verwenden nun diese Situation und bieten daher auch alles Mögliche im Handel und auch im Internet an. Gemäß der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfahlen war der Trend anfangs im englischsprachigen Raum zu bemerken. Mit der Zeit nimmt er jedoch auch in Deutschland wegen Corona Fahrt auf. Hierbei ist es aber mehr als bedenklich, wie wertvoll diese Nahrungsergänzungsmittel auch wirklich sind, um das Immunsystem gegen das Coronavirus zu schützen.

Ergebnisse der Forschung zum Thema Nahrungsergänzungsmittel und das Coronavirus

So gehen auch Wissenschaftler an der Technischen Universität Wien davon aus, dass das Immunsystem nicht so einfach besser gemacht werden kann, wenn die Menschen zusätzliche Vitamine einnehmen. Sie raten daher dazu, stets auf der Hut zu sein, wenn ihnen jemand einfach so diese Nahrungsergänzungsmittel verkaufen will. Diese sind zumeist wirkungslos und oft auch gefährlich.
Nur in seltensten Fällen sind solche Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate sinnvoll. Diese helfen höchstens bei Menschen, welche krankheitsbedingt an dem Mangel leiden oder die eventuell auch unterernährt sind. Alle anderen Patienten benötigen allerdings gar keine Nahrungsmittelzusätze. Dazu kommt noch, dass es heute schon wissenschaftlich bewiesen ist, dass zum Beispiel die Einnahme von hoch dosiertem Multivitamin wie Vitamin C und D nicht zu einer auffallend förderlichen Stärkung des Immunsystems führen kann.

Vitamin Überdosierung sinnlos

So kann der Körper nur eine gewisse Menge aller Vitamine aufnehmen, den verbleibenden Rest scheidet dieser ungenutzt wieder aus. Das Immunsystem des Menschen ist gemäß den Wissenschaftlern ein fein balanciertes System, welches sich in aller Regel von selbst normalisiert.

Auch wenn die Anzahl der Neuinfektionen mit dem neuen Coronavirus in Deutschland inzwischen zurückgegangen ist, möchten sich aber viele Menschen im Zusammenhang mit den Lockerungen – abgesehen von den geltenden Hygienemaßnahmen – weiterhin stark vor dieser Erkrankung schützen. Für die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln öffnen sich daher scheinbar völlig neue Felder. Im Internet werden hier die groteskesten Ideen verbreitet.
So ist es eine Tatsache, dass nicht ausdrücklich zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen zur Werbung in der EU ohnehin verboten sind, sind auch jegliche irreführenden Aussagen hierzu streng untersagt. Auch für Lebensmittel bedeutet dies, dass es verboten ist, einem Lebensmittel Eigenschaften und Wirkungen zuzuschreiben, welche es gar nicht besitzt. Solche Aussagen sind nur dann erlaubt, wenn sie nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand auch als sicher bewiesen gelten. Ein Multivitamin gegen Corona ist demnach nicht erhältlich.

Da das Virus erst seit geraumer Zeit bekannt ist, gibt es hierzu noch keine wahren wissenschaftlich gesicherten Interventionsstudien an Menschen, welche eine Wirkung von bestimmten Vitaminen oder auch Mineralstoffen hiergegen beweisen. So beziehen sich die Studien entweder auf andere Viren oder es handelt sich lediglich um theoretische Untersuchungen von möglichen Wirkmechanismen. So wird hierbei zum Beispiel anhand biochemischer Abwicklungen versucht, zu beweisen, wie Vitamin C oder ein anderer sekundärer Stoff aus Pflanzen gegen Corona oder dessen Erscheinungen wirksam sein könnten. Dieser Aspekt ist offenbar kein Beweis und darf daher auch nicht die Patienten dazu verleiten, dies gleich auszuprobieren. Jedoch ist es für die Wissenschaftler eine Hilfe, welche darauf basierend die Studien konzipieren können, wie beispielsweise ob der Mineralstoff Niacin die Schwere dieser Krankheit abschwächen kann. Es geht hierbei stets um den Schutz vor der Corona-Erkrankung oder auch um die Heilbehandlung von COVID-19. Dies ist nicht die Aufgabe der Nahrungsergänzungsmittel, sondern von definierten Arzneimitteln, welche sicher auch natürliche Vitamine oder Extrakte von Pflanzen enthalten können. Im Vergleich zu Nahrungsergänzungsmitteln ist hier aber die Wirkung sicher bewiesen und von Forschungseinrichtungen nachgeprüft worden.

Eine gesunde Ernährung ist sehr wichtig

Pharmazeuten und Ernährungsberater betrachten eine vollwertige und ausgewogene Ernährung als wesentlichste Stütze des Immunsystems. Daher führt an einer gesunden Ernährung kein Weg vorbei. Vor allem Gemüse ist hier unverzichtbar. Wem aber nun Brokkoli oder Zucchini und anderen Sorten weniger schmecken, der kann auch gern ein Glas Gemüsesaft trinken. Ein hochwertiges Multivitaminpräparat, in welchem sämtliche wichtigen Mikronährstoffe, also Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente enthalten sind, können jedoch Fehler und Mängel bei der täglichen und geläufigen Ernährung abfedern, aber solche Kapseln sind jedoch auch kein Wundermittel.

Wenn gerade in diesen Zeiten ein Bewegungsmangel oder auch ein Mangel an frischer Luft und Sonne für viele Menschen nicht abzuwenden sind, raten Wissenschaftler zusätzlich zu einer Portion Zink, Vitamin C, Vitamin D und Selen. Damit werden dem Immunsystem noch Waffen für den Schutz zur Verfügung gestellt. Vitamin D ist auch als Sonnenvitamin bekannt, ist aber oftmals nicht unbedingt nötig als Nahrungsergänzungsmittel extern einzunehmen. Am Mittag 20 bis 30 Minuten Oberkörperfrei in der Sonne zu liegen, reicht oft schon aus, um die Vitaminspeicher wieder aufzufüllen.

Der Umsatzboom bei den Vitamin-Pillen durch Corona

In der Folge der Coronakrise ist jedenfalls ein Boom für Multivitaminpräparate ausgebrochen. In den öffentlichen Apotheken wurden in einer Woche um 315 Prozent mehr Vitaminprodukte verkauft als in den Wochen davor. Die Beratungsfirma IQVIA Sie erhebt diese Verkäufe in öffentlichen Apotheken in dem Magazin „PharmaTrend“. Hiernach sind Absatz und Umsatz von Mineral- und Nahrungszusatzstoffen sowie Vitaminen seit Beginn des Jahres genauso rasant angestiegen wie von Mitteln zur Stärkung für das Immunsystem.

So gaben zum Beispiel die Menschen in Österreich in der ersten Januarwoche für diese Mittel insgesamt 2,6 Millionen Euro aus. Insgesamt zahlten die Österreicher mittlerweile fast 40 Millionen Euro für Vitamine, Immunstärkungsmittel und Co. Dies sind jedoch nur die Zahlen aus den örtlichen Apotheken.

Schutz gegen das Coronavirus durch Abwehr oder durch Desinfektion?

In diesen Zeiten gibt es viele Werbeaussagen, dass es bestimmte Getränke, Pflanzen und Vitamine gibt, die Menschen zu sich nehmen können, um jeden bakteriellen und viralen Infekt abzuwehren, einschließlich des neuen Coronavirus.
Diese Mittel reden eine falsche Sicherheit ein und sind bezüglich auf das neue Coronavirus wissenschaftlich gar nicht belegt. Auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hatte mittlerweile mehrfach besonders deutlich darauf hingewiesen, dass derartige Aussagen für die Vitaminpräparate generell verboten sind. Als Wirkstoffe werden oftmals definierte sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, Polyphenole, Anthocyane oder auch Senföle angeführt. Wichtig hierbei ist zu wissen, dass dies Extrakte in den Nahrungsergänzungsmitteln sind, die nicht definiert sind. Hierbei gleicht kein Extrakt dem anderen und sicher keiner hiervon besitzt jenen in Studien zitierten angewandten Wirkstoff.

Falschaussagen bezüglich Nahrungsergänzungsmittel und Coronavirus

Zurzeit finden sich im Internet, auf manchen Seiten und eventuell auch von vielen selbstständigen Vertretern (“Ernährungsberatern”) derartige und auch ähnliche Aussagen für Nahrungsergänzungsmittel bzw. Lebensmittel gegen Corona mit verschiedenen Pflanzenextrakten. Hierzu gehören zum Beispiel Grüntee (Inhaltsstoff Epigallocatechinagallat), Rosenwurz (Rhodiola), Chili, Meerrettich, Zistrose, Propolis, Artemisin, Holunder, Schwarzer Johannisbeere und Kapuzinerkresse. Abwehrende Wirkungsweisen werden zudem für Nahrungsergänzungsmittel mit Kurkuma, Ingwer, Apfelessig oder Zimt erklärt.

Dies heißt aber nicht, dass solche Inhaltsstoffe oder auch die Anbieter der Produkte unseriös sind. Es gibt außerdem gut analysierte, apothekenpflichtige Medikamente, zum Beispiel aus Zistrose, Rosenwurz oder Chili, welcher sicher und mit zugelassenen Heilanzeigen versehen sind. Gesetzwidrig ist es jedoch, wenn die Anbieter der Multivitaminpräparate mit dem Schutz vor bestimmten Viren oder eine Hilfe gegen Corona werben würden. Derartige Fälle wurden in der letzten Zeit vielfach von der Wettbewerbszentrale und den Verbraucherzentralen abgemahnt. Auch viele Klagen wurden schon vor den Gerichten bezwungen. Außerdem werden viele Lebensmittel irrtümlich als hilfreiche Mittel gegen das Virus empfohlen. Gegen Corona vorbeugen, ist daher nicht möglich.

Achtung vor gefährlichen Corona “Medikamenten”

Es wird immer wieder behauptet, dass das gefährliche Miracle Mineral Supplement (MMS), auch Chlordioxidlösung (CDL) genannt, vor dem Virus schützen soll. Dies ist jedoch ein Desinfektionsmittel und wird zum Bleichen und Reinigen von Textilien verwendet. Daher soll es nicht eingenommen werden. Außerdem nützt es auch gar nichts gegen das Coronavirus. Andere Wissenschaftler empfehlen auch Arsen in homöopathischen Mengen.

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