Roemheld-Syndrom – Wenn Verdauungsprozesse Herzsymptome auslösen

Das Roemheld-Syndrom zählt zu den funktionellen Beschwerdebildern, bei denen Ursache und Symptom räumlich voneinander getrennt sind. Obwohl Betroffene häufig unter Brustdruck, Herzstolpern oder Atemnot leiden, liegt der Ursprung der Beschwerden nicht im Herzen selbst,
sondern im Magen-Darm-Trakt. Gerade diese Diskrepanz führt dazu, dass die Erkrankung oft spät erkannt wird und mit erheblicher Verunsicherung einhergeht.

Einordnung des Krankheitsbildes

Beim Roemheld-Syndrom handelt es sich nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern um einen Symptomkomplex. Charakteristisch ist die enge funktionelle Verbindung zwischen Verdauungssystem, Zwerchfell und Herz. Veränderungen im Bauchraum können mechanische und nervale Reize auslösen, die sich als scheinbare Herzbeschwerden bemerkbar machen.

Anatomische und funktionelle Zusammenhänge

Während der Verdauung entstehen im Magen-Darm-Trakt Gase, die normalerweise problemlos entweichen. Kommt es jedoch zu einer übermäßigen Gasansammlung oder zu einer gestörten Gasabgabe, dehnen sich Magen und Darm aus. Diese Ausdehnung erzeugt Druck auf das Zwerchfell, das Brust- und Bauchraum voneinander trennt.

Da sich Herz und Lunge direkt oberhalb des Zwerchfells befinden, kann dieser Druck deren Funktion beeinträchtigen. Besonders empfindlich reagiert das Herz auf mechanische Reize
sowie auf Veränderungen im vegetativen Nervensystem.

Warum sich das Roemheld-Syndrom wie eine Herzerkrankung anfühlt

Die Beschwerden ähneln häufig denen einer Angina pectoris. Typisch sind Brustenge, Druck hinter dem Brustbein und Herzrhythmusstörungen. Obwohl das Herz organisch gesund ist, entstehen diese Symptome durch Platzmangel im Brustraum und eine Reizung des autonomen Nervensystems.

Diese Empfindungen werden von vielen Betroffenen als bedrohlich wahrgenommen und können starke Angstreaktionen auslösen.

Typische Beschwerden

Das Beschwerdebild ist vielseitig und individuell unterschiedlich. Häufig treten mehrere Symptome gleichzeitig auf.

Zu den häufigsten körperlichen Beschwerden zählen:

  • Brustenge und Brustschmerzen
  • Herzstolpern oder Herzrasen
  • Atemnot und Kurzatmigkeit
  • Oberbauchschmerzen
  • Blähungen und Völlegefühl
  • Schwindel
  • Müdigkeit und Leistungsabfall

Zusätzlich treten nicht selten psychische Begleiterscheinungen auf. Dazu zählen Angstzustände, innere Unruhe und Panikattacken, die meist sekundär durch die Herzsymptomatik ausgelöst werden.

Mögliche Ursachen und begünstigende Faktoren

Das Roemheld-Syndrom kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst oder verstärkt werden.

Häufige Ursachen sind funktionelle oder entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts,
darunter Reizdarmsyndrom, Gastritis oder chronische Darmentzündungen. Auch eine gestörte Darmflora oder eine verlangsamte Verdauung können die Gasbildung erhöhen.

Anatomische Besonderheiten wie eine Hiatushernie, bei der sich der Magen teilweise in den Brustraum verlagert, stellen einen weiteren Risikofaktor dar.

Auch Schilddrüsenunterfunktionen können die Darmbeweglichkeit herabsetzen. Darüber hinaus spielen Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Laktose- oder Glutenintoleranz eine wichtige Rolle.

Der Einfluss von Stress und Nervensystem

Stress wirkt sich unmittelbar auf das vegetative Nervensystem aus. In Stresssituationen wird die Verdauung gehemmt, während Herzfrequenz und Muskelspannung ansteigen. Dies begünstigt Gasansammlungen im Darm und verstärkt gleichzeitig die Wahrnehmung von Herzsymptomen.

Nicht selten entsteht dadurch ein Kreislauf aus Beschwerden, Angst und weiterer vegetativer Überaktivierung.

Diagnostische Abklärung

Die Diagnose des Roemheld-Syndroms erfolgt in der Regel als Ausschlussdiagnose. Zunächst müssen kardiologische Erkrankungen sicher ausgeschlossen werden. Dazu gehören Anamnese, körperliche Untersuchung und ein EKG. Je nach Befund können weitere Untersuchungen erforderlich sein.

Erst wenn keine Herzerkrankung vorliegt und gleichzeitig typische Verdauungsbeschwerden bestehen, wird das Roemheld-Syndrom diagnostisch in Betracht gezogen.

Therapeutischer Ansatz

Die Behandlung richtet sich nicht gegen das Herz, sondern gegen die Auslöser im Magen-Darm-Trakt. Eine zentrale Rolle spielt die Ernährung.

Kleine, gut verdauliche Mahlzeiten sind meist besser verträglich als große Portionen.
Fettreiche und stark blähende Lebensmittel sollten reduziert oder vermieden werden.
Ein Ernährungstagebuch hilft, individuelle Trigger zu identifizieren.

Unterstützend können Wärmeanwendungen, sanfte Bauchmassagen und regelmäßige Bewegung die Darmtätigkeit fördern. Bei starkem Leidensdruck kommen entblähende Medikamente wie Simeticon oder Dimeticon zum Einsatz.

Roemheld-Syndrom und Magnesium

Viele Betroffene fragen sich, ob Magnesium bei den Beschwerden hilfreich sein kann. Magnesium ist essenziell für die Nerven- und Muskelfunktion und spielt auch für den Herzmuskel eine wichtige Rolle.

Im Zusammenhang mit Roemheld-Syndrom Magnesium ist jedoch wichtig zu wissen, dass Magnesium die Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt nicht beseitigen kann. Es behandelt daher nicht die eigentliche Ursache des Syndroms.

Eine Magnesiumeinnahme kann sinnvoll sein, wenn ein nachgewiesener Mangel besteht oder begleitende funktionelle Herzrhythmusstörungen vorliegen. Eine unkritische Einnahme ist jedoch nicht empfehlenswert, da eine Überdosierung selbst Magen-Darm-Beschwerden verursachen kann.

Roemheld-Syndrom und Kaffee

Auch das Thema Kaffee spielt für viele Betroffene eine wichtige Rolle. Kaffee regt die Säureproduktion im Magen sowie die Darmbewegung an. Bei empfindlichen Personen kann dies dazu führen, dass Nahrungsbestandteile schneller und unvollständig verdaut in den Dickdarm gelangen.

Im Zusammenhang mit Roemheld-Syndrom Kaffee kann dies problematisch sein, da unverdaute Nahrungsreste im Darm vermehrt Gase bilden. Diese Gasbildung kann wiederum den Druck auf das Zwerchfell erhöhen und typische Beschwerden wie Brustenge, Herzstolpern oder Atemnot auslösen.

Betroffene müssen nicht grundsätzlich auf Kaffee verzichten. Häufig ist jedoch eine Reduktion der Menge oder der Umstieg auf magenfreundlichere Alternativen wie milde Kaffeesorten oder entkoffeinierten Kaffee sinnvoll.

Prävention und Selbsthilfe

Ein gesunder Lebensstil trägt wesentlich dazu bei, erneute Beschwerden zu vermeiden. Regelmäßige Bewegung unterstützt die Darmtätigkeit und stärkt das Zwerchfell.

Auch Stressreduktion, bewusste Atmung und sanfte Bewegungsformen wie Yoga können helfen, akute Symptome zu lindern und das vegetative Nervensystem zu stabilisieren.

Zusammenfassung

Das Roemheld-Syndrom ist ein funktionelles Beschwerdebild, bei dem Verdauungsprozesse Herzsymptome imitieren. Trotz teils ausgeprägter Beschwerden liegt in den meisten Fällen keine Herzerkrankung vor.

Entscheidend für eine nachhaltige Besserung sind das Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen, eine angepasste Ernährung, ein bewusster Umgang mit Kaffee sowie ein insgesamt gesunder Lebensstil. Mit einem ganzheitlichen Ansatz lassen sich die Symptome häufig deutlich reduzieren und langfristig kontrollieren.

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