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Rosenwurz: Wirkung, Nebenwirkungen, Dosierung

Rosenwurz – Erscheinungsbild und Vorkommen

Beschreibung der Rosenwurz

Die Rosenwurz, auch als Rhadiola rosea bekannt, gehört zur Familie der Dickblattgewächse, der Crassulaceae. Sie ist eine von 200 Arten der Gattung Rhodiola. Die Rosenwurz wächst als mehrjährige Pflanze ausdauernd an Standorten mit extremen Temperaturen, was auf ihr Rhizom und ihre sukkulente Wuchsform zurück zuführen ist. Die witterungsfeste und frostunempfindliche Rosenwurz erreicht im Normalfall eine Wuchshöhe von 5 cm bis 20 cm, kann aber maximal 35 cm hoch werden. Ihr 1 cm bis 5 cm dicker, knolliger, unterirdischer Stamm wächst horizontal oder vertikal und ist oft verzweigt. Aus dem Stamm werden oberirdische Stängel gebildet, die dicke, fleischige und kahle Schuppen in grünblauen Farbvarianten vorbringen. Werden diese abgeschnitten oder verletzt, ist ein rosenartiger Geruch wahrzunehmen.

Die Rosenwurz ist diözisch, also zweihäusig getrenntgeschlechtig und bildet zwischen Mai und September entweder männliche oder weibliche Blüten aus, welche in bündeligen Blütenständen zusammen stehen. Die männlichen Blüten der Rhadiola rosea kommen in gelbrünen bis leuchtend gelben Farbvariationen vor, die später rötliche Töne aufweisen können. Die weiblichen Blüten hingegen sind eher grünlich bis gelbgrün und zeigen sich wesentlich kleiner als die männlichen. Die weibliche Blüte bringt grüne Balgfrüchte vor, die sich zwischen Juli und August purpurrot bis braunrot färben, sobald sie völlig ausgereift sind.

INFO:Die Rhodiola rosea ist auf Fremdbestäubung angewiesen. Als Bestäuber dienen ihr Bienen, Hummeln und Fliegen.

Vorkommen der Rosenwurz

Als sehr widerstandsfähige Pflanze, gedeiht sie sowohl auf feuchten, sandigen und kargen als auch auf schweren lehm- und tonhaltigen Böden. Sie wächst in kalten Hochgebirgsregionen Nordeuropas, Nordasiens und Nordamerikas. Sie kann in Höhen von bis zu 4500 m vorkommen. Die Rosenwurz kann in Bergschluchten, Feuchtwiesen, Moorböden, Klippenabsätzen und in arktischen Gebirgslagen vorkommen. Der Boden darf trocken, feucht, sauer, neutral oder alkalisch sein. Schatten verträgt die sukkulente Rhodiola rosea jedoch nur bedingt.

Geschichte der Rosenwurz

INFO:Aus verschiedenen Überlieferungen geht hervor, dass die Rosenwurz bereits von Lappen, Inuiten und Wikingern als Heilpflanze zur Stärkung der Kräfte angewandt wurde.

Die erste aufgezeichnete medizinische Anwendung wurde vom griechischen Arzt Dioskurides in seinem Werk „materia medica“ unter der Beschreibung „rodia riza“ im Jahre 77 nach Ch. bekannt gemacht. Auch Leonhart Fuchs beschreibt die Rosenwurz 1542 in seinem lateinischen Kräuterbuch.

Auf Grund des rosenähnlichen Geruchs eines frisch aufgeschnittenen Rhizoms, nannte der Entdecker Carl von Linné die Pflanze Rhodiola rosea. 1775 wurde die Rhodiola rosea in das amtliche Schwedische Arzneibuch aufgenommen. In Frankreich und Schweden fand die Rosenwurz vom 18. bis 19 Jahrhundert medizinische Verwendung, was auch noch 1974 in der neunten Ausgabe des französischen Arzneibuches erwähnt wurde.

Seit 1969 ist die Rhodiola rosea auf Grund ihrer heilenden Wirkung eine anerkannte Heilpflanze der offiziellen Medizin in der Sowjetunion. 1975 führte das Ministerum für Gesundheit der Sowjetunion ein Rosenwurz-Extrakt ein, das gegen Infektionskrankheiten, Müdigkeit und zur Verbesserung der Vitalität, der Arbeitsleistung und des Gedächtnisses eingesetzt wurde. Auch in der Volksmedizin anderer Länder, wie Russland, skandinavische Länder und China wurde die Rosenwurz über Jahrhunderte zur Heilung und Verbesserung der Gesundheit eingesetzt.

Im Jahr 1985 wurde die Rhodiola rosea als Mittel gegen Müdikeit und Erschöpfung im Phytomedizinischen Handbuch für Pharmazeuten eingetragen. Andere Rhadiola-Arten wurden in den 1980ern auf medizinische Wirkung und Nebenwirkungen getestet. Im Ergebnis zeigten sich einige pharmakologisch untauglich, andere hingegen erwiesen eine ähnliche medizinische Wirkung wie die Rhodiola rosea.

Die Rosenwurz heute – Wirkungsvolle Antistresspflanze

Da die Wirksamkeit von Rosenwurz mittlerweile immer weiter verbreitet ist, wurden in verschiedenen Ländern erste Experimente unternommen, die Pflanze landwirtschaftlich anzubauen. Die ersten geglückten Versuche wurden in der Schweiz bekannt. Die Verbreitung und Verwendung von Rhrodiola als Heilpflanze wird durch den landschaftlichen Anbau zunehmend gesteigert. Seit 2010 sind in der Schweiz Rosenwurz-Filmtabletten zugelassen. Auch in anderen Europäischen Ländern, wie Großbritannien, Österreich oder Schweden ist die Rhodiola rosea auf Grund ihrer heilenden Wirkung als pflanzliches Arzneimittel zugelassen.

In unserer heutigen Leistungsgesellschaft werden Müdigkeit, Erschöpfung und Stress immer häufiger diagnostiziert. Die Rosenwurz gilt als bekanntes pflanzliches und natürliches Heilmittel, das bei Leistungsdruck und denen damit einkehrenden körperlichen und geistigen Ermüdungserscheinungen eingesetzt werden kann. In der Homöopathie und Pflanzenheilkunde wird die Rhodiola rosea ebenfalls zur Stabilisierung des Nervensystems und gegen leichte Depressionen und Ängste verwendet.

Verwendung der Rosenwurz in unserer heutigen Gesellschaft

Die Verwendung der Rhodiola rosea kann sehr vielseitig sein und hängt ebenfalls vom jeweiligen Einsatzort, dessen Kultur und der Bedürfnisse der Einwohner ab.

In der allgemeinen traditionellen Volksmedizin kann die Rosenwurz bei folgenden Syntomen eingesetzt werden:

  • Leistenbruch
  • Migräne und Kopfschmerzen
  • Steigerung der körperlichen Ausdauer
  • bei Müdigkeit
  • gegen Höhenkrankheit
  • bei Blutarmut
  • bei Impotenz
  • bei gastrointestinalen Beschwerden
  • bei Infektionen
  • bei nervösen Störungen
  • zu Erhöhung der Leistungsfähigkeit
  • bei leichten Depressionen
  • zur Gewichtszunahme
  • bei Angstzuständen
  • bei physischem und psychischem Stress
  • bei Schlafbeschwerden

In Mittelasien kommt der Tee der Rhodiola rosea ebenfalls folgend zum Einsatz:

  • gegen Erkältungen
  • bei Schnupfen
  • bei Husten
  • zur Vorbeugung winterbedingter Krankheiten

Die Rhodiola rosea wird in vielen Ländern ebenfalls zur Verbesserung des Immunsystems eingesetzt, da sie eine adaptogene Wirkung hat. Das bedeutet, sie beeinflusst bestimmte physiologische Reaktionen, wie die Ausschüttung von Stresshormonen oder gewissen Botenstoffen. Somit kann sie den menschlichen Organismus, gegenüber verschiedenen Stressfaktoren, widerstandsfähiger machen.

Welcher Teil der Rosenwurz wird verwendet

Die Rhodiola rosea kann auf verschiedene Art und Weise konsumiert werden. Dies ist vor allem vom Einsatz-Grund und dem Einsatz-Ort abhängig.

Rhodiola rosea als Gemüse

Die Radiola rose wird vielerorts als Gemüse konsumiert. Hierbei werden die Blätter ähnlich wie Spinat oder als Salat zubereitet. Die Rhizome und Stämme werden wie Spargel verwendet.

Rhodiola rosea als Aufguss

Um einen Rhodiola-Aufguss zuzubereiten, werden die Wurzelstücke fein geschnitten und über ca. vier Stunden mit wenig Wasser gekocht.

Rhodiola rosea als Tinktur

Bei der Zubereitung einer Tinktur wird der heilende Wirkstoff der Rhodiola rosea aus dem Wurzelpulver über mehrere Tage oder Wochen, mit einem hochprozentigem Alkohol, wie Wodka, bei Raumtemperatur extrahiert.

Medizinische Extrakte

Zur Herstellung von medizinischen Extrakten wird die Speicherwurzel der Pflanze verwendet. Diese werden flüssig oder eingedickt in Kapselform verkauft.

Rhodiola rosea als Tee

Für einen Rosenwurz-Tee können sowohl der Wurzelstock, die Blätter als auch die Blüten mit heißem Wasser aufgegossen werden.

Eigenschaften und Wirkung der Rosenwurz

Wirkung auf den menschlichen Organismus

Die Rhodiola rosea ist ein anerkanntes Adaptogen. Sie stärkt die natürliche Widerstandsfähigkeit und steigert die Belastungsfähigkeit des menschlichen Organismus.

Die Wirkstoffe der Rhodiola rosea schützen die menschlichen Zellen vor freien Radikalen und haben damit einen positiven Effekt auf das Nervensystem.

Ein klinischer Test, bei dem Patienten im Alter von 18 – 70 Jahren getestet wurden, zeigte, dass das Rhodiola-Extrakt in einer täglichen Dosierung von 340 mg – 680 mg leichte Depressionen stark verbessern kann. Bei diesem Test konnten keine Nebenwirkungen festgestellt werden.

Rhodiola rosea erhöht den menschlichen Serotoninspiegel. Serotonin ist ein Nervenbotenstoff, der dafür sorgt, dass die Informationen im Gehirn richtig verarbeitet und weitergeleitet werden. Darüber hinaus gilt Serotonin als „Glückshormon“, das großen Einfluss auf die positive Stimmung eines Menschen hat.

In Russland wurde die Wirkung der Rhodiola rosea für die Verbesserung des Langzeitgedächtnisses verantwortlich gemacht.

Wirkung bei Tieren

Neuste medizinische Erkenntnisse besagen, dass die Extrakte der Rhodiola rosea die Lebensspanne von Fruchtfliegen um bis zu 10% erhöht.

Bei Ratten mit einem Tumor hemmte die Einnahme des Rhodiola rosea-Extraktes das Tumorwachstum und verringerte das Auftreten von Metastasen (Tochtergeschwüren) in der Leber. Ebenfalls erhöhte die Einnahme der Heilpflanze die Lebenszeit der Ratten. Bisher wurde Rhodiola rosea in der Krebsforschung nur bei Tieren eingesetzt.

Gezielte Einsatzgebiete der Rosenwurz

Auf Grund ihrer vielseitigen heilenden Wirkung und ihrer geringen Nebenwirkungen wird die Rhodiola rosea bei verschiedenen Leiden und Erkrankungen gezielt in Form von Tee, Tropfen oder Tabletten eingesetzt.

Rhodiola rosea bei Stress

In einer russischen Studie wurden Rosenwurz Präparate einem Placebo-Medikament, an Studenten, in Hinsicht auf Leistungsfähigkeit und Konzentration während der Examenszeit gegenüber gesetzt. Herausgefunden wurde, dass das allgemeine Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit, die Konzentration und die körperliche Fitness bei einer täglichen Rosenwurz-Dosis von 100 mg erheblich ansteigt. Auch die geistige Ermüdung und das Schlafbedürfnis der Studenten aus der Rhodiola-Gruppe waren deutlich geringer und ihre Examensnoten besser, als die der Placebo-Gruppe. Nebenwirkungen wurden bei der getesteten Dosierung nicht festgestellt.

Rhodiola rosea bei Leistungsfähigkeit und Belastung

Bei einem 14-tägigen Versuch an Ärztinnen und Ärzten konnte festgestellt werden, dass die tägliche Einnahme von 170 mg Rhodiola rosea-Extrakt eine erhebliche Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit hervor ruft. Bei dieser Dosierung konnten keine Nebenwirkungen festgestellt werden, jedoch verschwand der positive Effekt nach sechs Wochen, was darauf hinweist, dass die Rosenwurz eine vorübergehende stressbedingte Ermüdung verringert.

In diversen Studien, die an Sportlern wahrgenommen wurden, konnten die folgenden positiven Effekte festgestellt werden:

  • geringere Müdigkeit
  • erhöhte Ausdauer
  • höhere Belastbarkeit
  • bessere Zielgenauigkeit
  • Reduzierung des Armzitterns

Rhodiola rosea bei Depressionen

In einer des Fachjournals, Phytomedicine, veröffentlichten Studie, wurden Rhodiola-Extrakte, aus der Wurzel der Pflanze, dem Antidepressivum ,Sertralin, (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer)gegenübergestellt. Heraus gefunden wurde, dass Rhodiola rosea eine geringere antidepressive Wirkung im Vergleich zu Sertralin zeigt. Rhodiola konnte aber auch besser vertragen werden, da der Extrakt zu weniger Nebenwirkungen führte. Rhodiola-Extrakte weisen somit ein besseres Risiko-Nutzen-Verhältnis als Sertralin auf.

Bei weiteren Studien, in denen Rhodiola-Extrakte mit speziellen Antidepressiva-Medikamenten kombiniert wurde, konnten ebenfalls eine Verbesserung der Beschwerden und verringerte Nebenwirkungen der jeweiligen Medikamente festgestellt werden.

Wirkung der Rhodiola rosea auf Gehirn und Nerven

Aus mehreren vorliegenden Studien geht hervor, dass die Rhodiola rosea die folgenden Symptome erfolgreich lindern kann:

  • Reizbarkeit
  • Ermüdung
  • Kopfschmerzen
  • Schwäche
  • Beschwerden des vegetativen Nervensystems

Inhaltsstoffe der Rosenwurz

Die Rhodiola rosea weist die folgenden Inhaltsstoffe auf:

  • Phenylpropane: Rosavin, Rosin und Rosarin (als Rosavine bekannt)
  • Phenylethylderivate: Salidrosid (Rhodiolosid), p-Tyrosol
  • Flavonoide: Rodiolin, Rodionin, Rodiosin, Acetylrodalgin, Tricin
  • Monoterpene: Rosiridol, Rosaridin
  • Triterpene: Daucosterol, β-Sitosterol
  • Phenolsäuren: Chlorogen-, Hydroxyzimt- und Gallussäuren

Rosenwurz kaufen

Der Verbraucher kann die Rhodiola rosea unter dem Fachbegriff Homöopathie, als pflanzliches Arzneimittel, in der Apotheke oder in Drogerien als Nahrungsergäzungsmittel kaufen. Es werden verschiedene Rhodiola-Präparate, wie Tees, Kapseln, Tabletten oder Tropfen angeboten. Die Angaben des Herstellers sollten beim Kauf sorgsam gelesen werden, da die Extraktmenge und die Standardisierung des Hauptwirkstoffes Rosavin variieren können.

Dosierung und Einnahme der Rhodiola rosea

Einnahme

Die verschiedenen Rhodiola-Produkte können über mehrere Wochen eingenommen werden. Die Einnahme der Extrakte kann einige Tage vor einer zu erwartenden Stressbelastung und ein paar Tage darüber hinaus fortgesetzt werden. Eine dauerhafte Medikation ist nicht zu empfehlen. Sollte es nach 14-tägiger Einnahme nicht zur Besserung der Symptome kommen, ist ein Gespräch mit einem Arzt zu suchen.

In der Schwangerschaft und während der Stillzeit ist die Einnahme von Rhodiola rosea nicht geeignet.

Rhodiola-Extrakte sollten nur von Erwachsenen eingenommen werden.

Dosierung

Die optimale Dosierung der Rhodiola rosea lieg Studien zufolge bei 200 mg täglich. Eine Tagesdosis die 300 mg übersteigt ist nicht zu empfehlen. Die Einnahme sollte eine halbe Stunde vor dem Frühstück oder eventuell vor dem Mittagessen erfolgen. Die Rhodiola rosea sollte auf Grund ihrer vitalisierenden und stimulierenden Wirkung in der ersten Tageshälfte und keines falls vor dem Schlafen eingenommen werden.

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