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Schwitzen beim essen – Erkrankungen, Diagnose, Ursachen

Einleitung mit kurzer thematischer Erklärung

Starkes Schwitzen beim Essen, auch Frey-Syndrom genannt, basiert auf einer neurologischen Erkrankung, bei der die Symptomatik auf Störungen der Speicheldrüse zurückzuführen ist. Das übermäßige Schwitzen kann für die Betroffenen physisch wie psychisch zur Qual werden. Die Frage nach dem “Warum“ stellt sich mit der Zeit immer öfter. In vielen Fällen findet sich keine Antwort.

Einen Ansatz zum besseren Verständnis dieser Problematik könnten die folgenden Erklärungen bieten:
Der Mensch verfügt über mehr als 2 Millionen Schweißdrüsen, die sich besonders in den Achselhöhlen sowie dem Nacken, dem Kopf und auf der Stirn aber auch an den Hand- und Fußflächen befinden. Die ekkrinen Drüsen sind für die Schweißproduktion zuständig.

INFO: Pro Tag scheiden sie zwischen einem halben und acht Liter Schweiß aus. Beim Austritt aus den ekkrinen Drüsen ist Schweiß geruchlos. Wird er allerdings von Bakterien zersetzt, riecht er mäßig bis penetrant.

Über unsere Nervenfasern erfolgt anhand von biochemischen Vorgängen das Signal zur Schweißabsonderung. Das vegetative Nervensystem sendet über sehr sensible Zentren im Rückenmark und Zwischenhirn den Impuls für die übermäßige Absonderung von Schweiß. Von diesen Zentren weiß man, dass sie sich im engen Kontakt zu unseren Gefühlsbereichen im Gehirn befinden. Deshalb schwitzen wir meistens stärker, wenn wir Angst verspüren oder nervös sind.

In solchen Fällen handelt es sich aber um ein normales und gesunden Schwitzen, das keinen Anlass zur Sorge liefert.

Erkrankungen, die für Schwitzen beim Essen die Ursache sein können

Der tatsächlichen Ursache für übermäßiges Schwitzen auf die Spur zu kommen ist nicht ganz so einfach. Für das „normale Schwitzen“ kennen wir alle die unterschiedlichsten Ursachen. Ausgehend von einer temporären oder konstanten Überbelastung bzw. Erschöpfung bis hin zu Kreislaufstörungen und sportlichen Herausforderungen sind wir alle schon einmal ins Schwitzen gekommen. Vielen unter uns ist auch ein Eiweißmangel oder eine Mineralstoffstörung als Ursache keine unbekannte Größe.

Anders sieht es bei möglichen Erkrankungen aus:

  • Frey-Syndrom (aurikolotemporales Syndrom)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hperthyreose)
  • den zwei Formen des gustatorischen Schwitzens
  • Primäre Hyperhidrose
  • Dumping-Syndrom
  • Diabetes

Diese Erkrankungen können verantwortlich sein für Schwitzen beim Essen.

Es muss aber nicht immer eine Krankheit als Ursache für starkes Schwitzen beim Essen vorliegen. Auch bestimmte Lebensmittel können verantwortlich sein. Doch dazu später mehr.

Nicht zu vergessen ist eine genetische Veranlagung. Sie kann dafür verantwortlich sein, dass die Schweißdrüsen aktiver sind als normal.

Befassen wir uns im Detail mit den Ursachen für starkes Schwitzen beim Essen.

Schilddrüsenerkrankung

Die Schilddrüsenüberfunktion (Hypertyreose) mit Symptomen wie Herzrasen, Gewichtsverlust, Schwitzen und Nervosität sowie Haarausfall und Gewichtsverlust bei unverändertem oder gesteigertem Appetit ist eine mögliche Ursache für Schwitzen beim Essen und auch sonstige Schwitzattacken. Als Ursache für eine Hypertyreose gelten in den meisten Fällen Morbus Basedow (eine Autoimmunerkrankung) und eine Schilddrüsenautonomie.

Bei der Hypertyreose besteht ein Überschuss an Schilddrüsenhormonen im Körper. Es kann aber auch eine Thyreoiditis de Quervain vorliegen. Lassen sich in der Hypophyse hormonproduzierende Tumore feststellen, die u. a. einen Überschuss an TSH produzieren, kann dort die Ursache für das allgemeine Schwitzen bzw. das Schwitzen beim Essen liegen.
Achtung: Im Rahmen einer Röntgenuntersuchung der Schilddrüse kann es (kurzzeitig) in Bezug auf das Kontrastmittel zu einer Überfunktion der Schilddrüse kommen.

Die Therapie erfolgt medikamentös mit einem Anticholinergika bzw. mit einem Antihidrotika. Auch Gerbstoffe zum Verschluss der Schweißdrüsen gelten als probates Mittel. Wenn diese Therapien nicht anschlagen, erfolgt im nächsten Schritt die Behandlung mit einer Radiojodtherapie. Erst als letzte Konsequenz wird eine Operation in Erwägung gezogen. Medikamente zum Hemmen der Schilddrüsenfunktion können auch die Autonomie der Schilddrüse lindern. Allerdings werden autonome Bereiche medikamentös nicht beseitigt. Häufig dient eine medikamentöse Therapie als Übergangslösung, bis eine der beiden anderen Möglichkeiten in Erwägung gezogen wird. Auf Nahrungsergänzungsmittel mit Jod ist zu verzichten.

Die primäre Hyperhidrose

Wird für das Schwitzen beim Essen kein erkennbarer Auslöser diagnostiziert, wird in der Medizin von einer Hyperhidrose gesprochen. Es wird davon ausgegangen, dass das Temperaturregulationszentrum des Gehirns falsche Signale in Richtung Schweißdrüsen sendet. Als Therapie können sich unter Umständen die allgemeingültigen Empfehlungen eignen, die als Abschluss dieses Artikels erwähnt werden.

Das Frey-Syndrom als Ursache für Schwitzen beim Essen

Das Frey-Syndrom (aurikolotemporales Syndrom) basiert auf einer pathologischen, also krankheitsbedingten Störung. Diese Störung findet sich im neurologischen Bereich in Form einer Störung der Speicheldrüse. Zu den typischen Anzeichen gehören ein ungleichmäßiger aber sehr häufig einseitiger Verlauf des Schwitzens im Gesicht und am Hals, sobald etwas gegessen wird. Ob scharf gewürzt oder mild, sauer oder süß: Menschen mit dem Frey-Syndrom schwitzen, sobald sie etwas essen.

Die Neurologin namens Lucja Frey-Gottesmann aus Polen beschrieb dieses Krankheitsbild erstmalig 1923. Als Auslöser kommen ein Trauma oder eine Operation an der Ohr- bzw. Unterkieferspeicheldrüse in Betracht. Regenerieren sich die Nerven, kann es zu einer Fehlleitung von Impulsen kommen, die dann anstatt an den Speicheldrüsen an den Schweißdrüsen andocken. Damit erklärt sich das einseitige Schwitzen. Die Operation erfolgte rechtsseitig, das Schwitzen im Gesicht und am Hals tritt dann ebenfalls auf der rechten Seite auf. Im Falle einer beiderseitigen Operation treten die Symptome unregelmäßig verteilt auf. Zu den weiteren Symptomen können häufig Schwellungen, Schmerzen und Hautrötungen sowie Gefühlsstörungen gehören. Weil die Hornhautschicht aufweicht, können sich auch Viren, Bakterien und Pilze leicht einnisten, was zu Pickeln und Infektionen führen kann.

Zur Behandlung gehört ein Jod-Stärke-Test um die Schwitzbereiche genauer zu lokalisieren. Dafür wird eine alkoholische Lösung mit 10 % Rizinusöl und 1,5 % Jod auf die Haut aufgetragen. Danach wird die Haut mit Stärkepulver bestreut. Dann erfolgen gustatorische Reize. Es kommt zu einer bläulichen Verfärbung an den Stellen, wo die Haut besonders stark schwitzt.

Im nächsten Schritt wird festgelegt, wie die Symptomatik behandelt werden kann. In leichten Fällen reicht oft ein Antitranspirant mit Aluminiumsalzen fürs Gesicht. Durch das Verstopfen der Schweißdrüsen reduziert sich die Schweißbildung. Eine Behandlung mit einem speziellen Nervengift namens Botulinumtoxin, das ansonsten in der Faltenbehandlung zum Einsatz kommt, gilt als Alternative. Es wirkt direkt auf die verantwortlichen Nervenimpulse und blockiert so die Signalübertragung. Die Schweißbildung wird signifikant gehemmt. Diese Behandlung muss nach ca. sechs Monaten wiederholt werden und kann sehr schmerzhaft sein.

Schwitzen beim Essen durch bestimmte Lebensmittel (gustatorisches Schwitzen)

Beim gustatorischen Schwitzen, einer Sonderform der krankhaften Hyperhidrose, führen Speisen, die zum Beispiel intensiv mit Senf, Pfeffer, Peperoni, Chilischoten oder auch einem herben Wein gewürzt werden, zum Schwitzen beim Essen. Das Gleiche gilt auch für in Essig eingelegtes Gemüse und Heringssalat. Auch ein heißer Kaffee oder Tee sowie eine heiße Schokolade können ein übermäßiges Schwitzen auslösen. In diesem Zusammenhang wird von einem gustatorischen Schwitzen gesprochen, das durch unseren Geschmackssinn gesteuert wird.

Eine Sonderform des gustatorischen Schwitzens stellt das „Geschmacksschwitzen“ dar. Vorgänge wie Kauen, Beißen, Lutschen, Essen und Schmecken lösen den gustatorischen Reiz aus, der zum Schwitzen führt.

Was aber löst das starke Schwitzen beim Essen aus? Auf unserer Haut und Zunge befinden sich unzählige Geschmacksrezeptoren, die stark gewürzte Speisen als heiß wahrnehmen. Dieser empfundenen Erhitzung wirken die Rezeptoren mit einer erhöhten Schweißbildung entgegen, weil sie den Körper abkühlen wollen. Stirn, Nase und Lippe sind am häufigsten von einem gustatorischen Schwitzen betroffen.

Damit das Schwitzen nachlässt, hilft ein altes Hausmittel. Frisch aufgebrühter Salbeitee aus den Blättern der Salvia officinalis ohne Zucker. Die schweißhemmende Wirkung soll darauf beruhen, dass die Nervenenden der Schweißdrüsen von den im Salbei enthaltenen ätherischen Ölen angegriffen werden.
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die endoskopische thorakale Sympathektomie, wenn das Schwitzen hauptsächlich Kopf, Gesicht und/oder Hände betrifft. Dabei werden im Bereich des Brustkorbs die Nervenfasern durchtrennt, die für das Schwitzen verantwortlich sind.

Schwitzen beim Essen im Zusammenhang mit Diabetes

Starkes Schwitzen beim Essen kann auch in Verbindung mit Diabetes stehen. Das Schwitzen tritt dann plötzlich, vergleichbar mit einem Anfall auf und kann auf eine Unterzuckerung hindeuten. Nervenschäden, hervorgerufen durch diese Grunderkrankung, können auch zu solchen Schwitzattacken führen. Meistens handelt es sich hier um kurze Intervalle, die aber mehrfach hintereinander auftreten können.

Starkes Schwitzen beim Essen kann bei Diabetikern zu vermehrtem Durst führen. Dies beruht auf einem höheren bis sehr hohen Verlust an Salzen, Mineralstoffen wie Kalium, Kalzium, Magnesium aber auch an Aminosäuren und Glucose sowie Milchsäure. Dass auch Chloride, Sulfate, Hydrokarbonate und Ammoniak sowie Aceton und Kreatin vermehrt ausgeschieden werden, macht die Situation nicht besser. Für Diabetiker kann dies ein Teufelskreislauf bedeuten.

Außer, dass die Diabetes-Medikation auf das Schwitzen vom Arzt abgestimmt werden muss, kann mit einer sorgfältig aufeinander abgestimmten Nahrungsergänzung akuten Mangelerscheinungen vorgebeugt werden.

Das Dumping-Syndrom

Es ist nicht immer das Schwitzen beim Essen, das die betroffenen Personen zur Verzweiflung bringen kann. Genauso belastend kann das Dumping-Syndrom sein, bei dem das Schwitzen unmittelbar nach dem Essen auftritt. Es handelt sich um einen Komplex an vegetativen Syndromen nach einer Magenoperation aufgrund von Ulcuskomplikationen oder einem Magenkarzinom, wenn kein Pylorus mehr existiert und der Mageninhalt schnell in den Magen gelangt.

Zu unterscheiden ist zwischen dem Früh- und dem Spätdumping
Beim Frühdumping kommt es neben den unangenehmen Schweißausbrüchen unmittelbar nach dem Essen häufig auch zu Schwindel, Schwäche sowie Palpitationen. Manchmal treten auch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf.
Als Ursache sind Dyskinesien des Dünndarms bekannt.
Die beste Therapie besteht darin, viele kleine Mahlzeiten über den Tag zu verteilen.

Beim Spätdumping setzt das Schwitzen ca. eine halbe Stunde nach dem Essen ein und hält länger an. Weil es aufgrund des fehlenden Pylorus zu einer viel zu schnellen Kohlenhydratverdauung kommt, steigt der Blutzuckerspiegel mit einer sofortigen Insulinfreisetzung sehr schnell an. Allerdings erfolgt im nächsten Schritt keine Glukoseaufnahme, auf die der Körper aber wartet. Damit ist die nach dem ersten Peak erfolgte Insulinausschüttung nutzlos. Es kommt zu einer Hypoglykämie (Unterzuckerung).
Die Therapie sollte aus einer eiweißreichen aber kohlenhydratarmen Kost bestehen. Viele kleine Mahlzeiten sind auch hier die beste Lösung. Phasen der Unterzuckerung können mit Traubenzucker überbrückt werden.

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