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Muskelzucken: Ursachen, Behandlung und Erkrankungen

Obwohl in den meisten Fällen bloß eine harmlose Ursache dahinter steckt, leiden viele Menschen unter sogenannten Muskelzuckungen. Unter Muskelzuckungen versteht man ein unwillkürliches und plötzliches Zittern der Muskulatur, welches oft an den Augenlidern, aber auch an anderen Körperteilen wie Beinen oder Armen auftreten kann. Prinzipiell können Muskelzuckungen bei nahezu allen Muskelgruppen auftreten und unterschiedliche Intensitäten annehmen. Im Gesicht treten sie jedoch besonders häufig auf. 

Diese Zuckungen sind zwar nicht schmerzhaft, aber alles andere als angenehm. Betroffene machen sich oft Sorgen, dass eine ernsthafte Erkrankung dahinter stecken könnte. In vielen Fällen behindern die Zuckungen das Einschlafen und beeinträchtigen damit die Lebensqualität der Betroffenen. Muskelzuckungen treten nicht nur bei nervösen Menschen auf, sondern sind ein weit verbreitetes Symptom. In vielen Fällen handelt es sich jedoch um eine harmlose Ursache, wie beispielsweise Magnesiummangel oder ein erhöhter Stresspegel. Dennoch können Muskelzuckungen auch auf eine Erkrankung hinweisen, insbesondere wenn spezifische Begleitsymptome auftreten. 
In diesem Artikel erfahren Sie, welche Ursachen für Muskelzuckungen verantwortlich sein können, welche Krankheiten möglicherweise dahinter stecken, wann Sie zum Arzt müssen und was Sie selbst dagegen tun können. 

Welche Ursachen liegen dem Muskelzucken zugrunde?

Das Gehirn gibt Nervenimpulse an spezifische Muskelgruppen ab, worauf hin sich die entsprechenden Muskeln zusammenziehen können. In der Regel laufen diese Prozesse in kontrollierter Form ab. Nervenimpulse können sich jedoch auch unkontrolliert entladen, wodurch Muskelzuckungen entstehen. Intensität, Dauer und betroffene Körperteile hängen dabei jeweils von der Ursache ab. Bei extremer Kälte tritt das Zucken der Muskeln beispielsweise am Kiefermuskel auf, was im Volksmund als typisches „Zähneklappern“ bezeichnet wird. Hierbei ist also lediglich eine spezifische Körperregion betroffen. Bei einem epileptischen Anfall kann hingegen der gesamte Körper betroffen sein und die Muskelzuckungen sind in ihrer Intensität wesentlich stärker ausgeprägt. Oft treten die lästigen Zuckungen auch an den Augenlidern auf, wobei das Zucken hierbei unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Die Ursache reichen hierbei von Stress bis hin zu einer Tic-Störung. Das Augenzucken ist oft als eine minimale unter der Haut liegende Bewegung sichtbar. Dabei ziehen sogenannte Faszikel, d. h. kleinste Muskelbündel in kurzen Abständen wiederholt zusammen, weshalb solche Muskelzuckungen auch als Faszikulationen bezeichnet werden. Sofern die betroffenen Muskelbündel nicht direkt unter der Haut liegen, werden die Zuckungen oft gar nicht wahrgenommen. Je nach Ursache, können solche Zuckungen also ganz unterschiedliche Ausprägungen annehmen. In den meisten Fälle ist die Ursache eher harmlos und oft verschwinden die Muskelzuckungen von selbst. Dennoch kann sich auch eine ernst zu nehmende Krankheit dahinter verbergen. Welche Krankheiten dahinter stecken können und welche weiteren Faktoren als Ursache infrage kommen, erfahren Sie im folgenden Abschnitt. 

Diese Krankheiten können Muskelzucken hervorrufen

Diabetes Mellitus 

Sofern Muskelzucken häufig und über einen längeren Zeitraum bestehen, können sie möglicherweise auf die weit verbreitete Krankheit Diabetes zurückzuführen sein. Diese im Volksmund auch häufig als Zuckerkrankheit bezeichnete Störung umfasst eine ganze Reihe von Stoffwechselstörungen mit verschiedenen Ursachen. Hauptsymptom und zugleich wichtigstes Diagnosekriterium ist hierbei der erhöhte Blutzuckerspiegel, welcher mit einer Urinprobe gemessen wird. Dem Körper mangelt es dabei an dem Hormon Insulin, welches den Zuckerstoffwechsel regelt und bei Diabetiker oft im Mangel oder nur in sehr abgeschwächter Form wirksam ist. Bei Diabetiker gilt es deshalb, den Blutzuckerspiegel möglichst aufrecht zu erhalten. Dennoch kommt es bei dieser Erkrankung hin und wieder zu einer „Unterzuckerung“ – der Blutzuckerspiegel ist also gestört. Muskelzucken sind dabei als Symptom, beziehungsweise als Begleiterscheinung einer Unterzuckerung anzusehen. 

Nervenkrankheiten 

Also mögliche krankheitsbedingte Ursache von Muskelzuckungen kommen auch eine Reihe von Nervenkrankheiten infrage. Hierzu zählen insbesondere Störungen des Nervensystems, welche insbesondere im Gehirn, im Rückenmark sowie in den Nervenzellen der Muskeln auftreten können. Solche Störungen werden in Fachkreisen als Polyneuropathie bezeichnet. Oft beginnen sie schleichend mit einem Kribbeln, Empfindungsstörungen oder eben Zuckungen in Händen und Füßen, welche sich später auf den gesamten Körper ausbreiten können. Eher selten sind die Zuckungen auf die Nervenerkrankung ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) zurückzuführen. 

Epilepsie 

Hinter dem Begriff Epilepsie verbirgt sich im Grunde genommen keine spezifische Krankheit, sondern eine ganze Reihe von Hirnerkrankungen, welche unter dem Begriff Epilepsie zusammengefasst werden. Gemeinsames Symptom dieser Störungen, woher auch der Name kommt, sind epileptische Anfälle, die bei Betroffenen relativ häufig auftreten. Diese Anfälle können sehr unterschiedliche Außmaße annehmen, wekche von leichten Muskelzuckungen bis hin heftigen Krämpfen und Bewusstseinsverlusten reichen. 

Gehirnentzündungen 

Auch eine Entzündung des Gehirns, welche in der Medizin auch als Enzephaslitis bezeichnet wird, kommt als eine krankheitsbedingte Ursache von Muskelzuckungen infrage. Hervorgerufen werden Entzündungen im Gehirn durch spezifische Krankheitserreger, wie beispielsweise Viren oder in selteneren Fällen auch Bakterien oder Pilze. Gekennzeichnet ist eine Enzephalitis besonders durch neurologische Störungen. Sofern davon auch Hirnhäute betroffen sind, wird die Erkrankung auch als Meningoenzephalitis bezeichnet. Ist das Rückenmark ebenfalls betroffen, so spricht man in diesem Fall von einer Enzephalomyelitis. 

Eher seltene Krankheiten, die Muskelzuckungen auslösen können

Es gibt eine Reihe von weiteren Krankheitsbildern, welche ebenfalls Muskelzuckungen hervorrufen können. Diese Krankheiten treten allerdings seltener auf und in der Regel sind die Zuckungen auf andere Ursachen zurückzuführen. Zu diesen Krankheiten zählen: 

  • Fieberkrämpfe 
  • Multiple Sklerose (MS) 
  • Morbus Wilson 
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) 
  • Parkinson 
  • Sogenannte Tics, u. A. Tourette-Syndrom 
  • Creutzfeldt-Jakob-Krankheit 
  • Durchblutungsstörungen 
  • Viruserkrankungen und durch Bakterien hervorgerufene Infektionen 
  • Orthopädische Erkrankungen mit Nervenreizung 
  • Restless-Legs-Syndrom 
  • Essentielle Tremore (ET) 

Welche Vitamine und Nährstoffmangel verursachen Muskelzucken?

Nicht selten liegen Muskelzuckungen auch lediglich Mangelerscheinungen von bestimmten Nährstoffen und Vitaminen zugrunde, welche der Körper für eine reibungslose Funktionalität benötigt. Mangelerscheinungen können jedoch durch die richtige Ernährung und falls nötig durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln behoben werden. ZU den Mangelerscheinungen, welche als Auslöser für Muskelzuckungen bekannt sind, zählen: 

  • Magnesiummangel 
  • Kalziummangel 
  • Natriummangel 
  • Kaliummangel 
  • Vitaminmangel 

Magnesiummangel: Ein häufiger Grund für Muskelzuckungen

Ein durchaus weit verbreiteter Grund für Muskelzucken ist ein Mangel an Magnesium. 
Sofern im Körper zu wenig Magnesium vorhanden ist, kann dies zu einer Beeinträchtigung der Kommunikation zwischen den Nerven und Muskeln führen. Dies macht sich häufig durch ein Muskelzucken in den Armen oder Beinen bemerkbar. 
Ein Magnesiummangel kann aus unterschiedlichen Gründen auftreten, wobei eine mögliche Ursache ist die Ernährung ist. Bei einer ungesunden oder zu einseitigen Ernährung werden dem Körper oft nicht genug Nährstoffe zugeführt und so kann es zu Mangelerscheinungen von bestimmten Vitaminen oder Mineralstoffen kommen. Zum anderen kann ein Magnesiummangel aber auch bei einer gesunden und ausgewogenen Ernährungsweise auftreten, nämlich dann, wenn ein erhöhter Bedarf besteht, welcher auch durch eine gesunde Ernährung nicht vollständig abgedeckt werden kann. Ein erhöhter Bedarf an Magnesium ist insbesondere bei Sportlern, Schwangeren und bei extrem gestressten Personen festzustellen. 
Sofern ein Mangel an Magnesium die Ursache der läsigenZuckungen darstellt, sollte die Magnesiumzufuhr erhöht werden. Dies kann zum einen durch magnesiumhaltige Lebensmittel wie beispielsweise Haferflocken, Sonnenblumenkerne, Nüsse, Bohnen oder Spinat erfolgen. Sollte die Erhöhung der Magnesiumzufuhr durch die Ernährungsumstellung nicht in ausreichendem Maße zu bewerkstelligen sein, so ist die zusätzliche Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, wie zum Beispiel Magnesium-Tabletten zu empfehlen. 

Weitere Ursachen für Muskelzucken

Neben den oben genannten Krankheiten und Mangelerscheinungen gibt es noch weitere Ursachen, welche bei Muskelzuckungen in Betracht gezogen werden müssen. Dazu gehören: 

  • Nebenwirkungen von Medikamenten 
  • Stress und psychische Belastungen 
  • Seelisches Ungleichgewicht 
  • Alkohol und andere Drogen 
  • Stimulierende Substanzen wie beispielsweise Koffein 
  • Unterzuckerung 
  • Einklemmen von Nerven 
  • Kälte und Unterkühlung 
  • Direkte Nervenreizungen, welche nach spezifischen Untersuchungen (z. B. einer Gehirnwasseruntersuchung) auftreten können 

Muskelzucken beim Einschlafen

Viele Menschen leiden insbesondere beim Einschlafen unter Muskelzuckungen, welche das Einschlafen erheblich hinauszögern können. Generell sind Muskelzuckungen beim Einschlafen jedoch ungefährlich und auf die körpereigenen Prozesse beim Einschlafen zurückzuführen. 
Die Körperfunktionen werden während dem Einschlafprozess in einem unterschiedlichen Tempo heruntergefahren, wodurch das Zucken hervorgerufen wird. Grund dafür ist, dass viele Areale im Gehirn bereits im Schlafmodus sind, also nicht mehr arbeiten, während andere Areale, welche für die Bewegungssteuerung verantwortlich sind, teils noch aktiv sind. Hierbei können dann fälschlicherweise, also sozusagen „versehentlich“ Signale an bereits erschlaffte Muskelgruppen gesendet werden, woraufhin es zum Zusammenzucken der Muskeln kommt. 
Das Muskelzucken beim Einschlafen ist somit ein ganz natürlicher Prozess, den vermutlich jeder Mensch schon mal erlebt hat. 
Nur wenn neben dem Muskelzucken gleichzeitig Schmerzen oder auch Gefühlsstörungen auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. In diesem Fall kann es sich bei den Symptomen auch um das Restless-Legs-Syndrom handeln. Darunter bezeichnet man eine neurologische Krankheit, welche symptomatisch vor allem durch unwillkürliche Bewegungen, Zuckungen oder Gefühlsstörungen in Ruhesituationen gekennzeichnet ist. 

Muskelzucken: Stress oder Psyche

Nicht selten kann Stress auch als Ursache von Muskelzucken herangezogen werden. 
Stress, Nervosität, Angst, innere Unruhe oder andere Belastungen der Psyche bringen zwangsläufig einen erhöhten Stresspegel mit sich. Die daraufhin aktiv werdenden Hormone sorgen dafür, dass das Gehirn „überlastet“ wird, womit es zu unkontrollierten Signalen zwischen Gehirn und Nervenzellen kommen kann. Ähnlich wie beim Einschlafprozess werden hierbei als auch falsche Signale an spezifische Muskelgruppen gesendet, welche dann das Zucken hervorrufen. 
Sofern Stress oder psychische Belastungen die Ursache von Muskelzuckungen sind, kann dieses Phänomen durch spezielle Maßnahmen behoben werden. Meditation, autogenes Training, Yoga und Spaziergänge an der frischen Luft können beispielsweise zur Entspannung beitragen. Ist der erhöhte Stresspegel auf psychische Belastungen oder Konflikte zurückzuführen, so gilt es diese möglichst schnell zu beheben. Bei dauerhaften Angstzuständen oder großer psychischer Belastung kann auch eine Therapie hilfreich sein. 

Wann Sie bei Muskelzucken einen Arzt aufsuchen sollten

In der Regel verschwindet das Muskelzucken häufig von ganz alleine. Sollten die Beschwerden jedoch über einen längeren Zeitraum auftreten, sollten Sie einen Arzt zu Rate ziehen und sich medizinisch untersuchen lassen. In diesem Fall sollte eine ernst zu nehmende Krankheit in jedem Fall ausgeschlossen werden, was nur durch spezielle Untersuchungen durch einen Arzt möglich ist. Auch wenn die Muskelzuckungen sehr heftig sind oder mit schmerzhaften Krämpfen in Verbindung stehen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Nach dem Besuch beim Hausarzt ist der Weg zum Neurologen meistens unabdingbar, da hinter den Muskelzuckungen oft eine Erkrankung des Nervensystems zu vermuten ist. Da die Ursachen jedoch wie in den obigen Abschnitten beschrieben sehr vielfältig sein können, ist in der Regel eine Differenzialdiagnostik durchzuführen. 

Was können Sie selbst gegen Muskelzuckungen tun können

Die Behandlung richtet sich dann nach der jeweiligen Ursache. Oft steckt jedoch keine gefährliche Erkrankung hinter den Zuckungen, sodass Sie bei harmloseren Ursache auch selbst einige Maßnahmen ergreifen können. 
Da ein hoher Stresspegel eine häufige Ursache von Muskelzuckungen darstellt, können bestimmte Entspannungsübungen dabei helfen, den Stress und somit auch die Zuckungen zu reduzieren. Hier bieten sich zum Beispiel Entspannungsübungen wie Meditation oder autogenes Training an. Auch Bewegung an der frischen Luft im Rahmen von täglichen Spaziergängen senken nachgewiesen das Stresslevel. Ebenfalls bewährt hat sich die Methode der progressiven Muskelentspannung, wobei es sich um eine geleitete und kontrollierte Abfolge von Anspannungs- und Entspannungszuständen aller Muskelgruppen handelt. 
Wie oben erwähnt können die Zuckungen auch die Nebenwirkungen von Medikamenten sein. Sofern Sie regelmäßig bestimmte Medikamente einnehmen und Muskelzuckungen als Nebenwirkungen vermuten, sollten Sie einen Arzt zu Rate ziehen und abklären, ob die weitere Einnahme der Medikamente sinnvoll ist oder ob Sie möglicherweise auf ein anderes Medikament umsteigen oder es gegebenenfalls auch absetzen können. 
Muskelzuckungen, die durch Mangelerscheinungen hervorgerufen werden, können Sie mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährungsweise entgegenwirken. Hierbei ist vor allem auf eine ausreichende Zufuhr an Magnesium Acht zu geben, da Magnesiummangel eine der häufigsten Ursachen für Muskelzuckungen darstellt. In manchen Fällen ist auch die zusätzliche Einnahme von Nahrungsergänzung sinnvoll, sofern der tägliche Bedarf an Magnesium über die Ernährung nicht abgedeckt werden kann. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollten Sie im Vorhinein jedoch mit Ihrem Arzt besprechen. Dieser kann zudem durch eine Blutuntersuchung feststellen, in welchem Bereich Ihre Werte liegen und wie diese Werte am besten ausgeglichen werden können. Auf Alkohol, Drogen und Koffein sollten Sie in jedem Fall verzichten. 

Fazit:

Zusammengefasst lässt sich schlussfolgern, dass Muskelzuckungen in jedem Fall ernst zu nehmende Krankheiten zugrunde liegen können. Insbesondere bei länger andauernden und starken Beschwerden sollte deshalb ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache zu ermitteln und gefährliche Krankheiten ausschließen zu können. 
Nicht immer steckt jedoch eine Krankheit hinter den Beschwerden – sehr häufig handelt es sich um eine sehr harmlose Ursache. In vielen Fällen stecken Stress, falsche Ernährung und Mangelerscheinungen hinter den lästigen Zuckungen. Diesen können Sie jedoch selbst mit gezielten Maßnahmen, wie der richtigen Ernährungsweise, regelmäßigen Entspannungseinheiten und Stressregulation entgegenwirken. Im Zweifelsfall sollten Sie immer einen Arzt zu Rate ziehen.

Muskelzucken: Ursachen, Behandlung und Erkrankungen
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